Die Fabel von der Sonnenblume

In einem wundervollen Garten einst eine Sonnenblume stand.
Der Garten war voll der schönsten Pflanzen und Blumen.
Aber sie, die Sonnenblume, war so wunderschön anzusehen, gerade gewachsen, herrliche Blätter an ihrem kraftvollen Stiel
und mit einer Blüte versehen, die jeden, der sie erblickte, sofort in ihren Bann zog.
Jedermann wollte sie anschauen, berühren und ihren Duft einatmen.
Keine der anderen Blumen konnte da mithalten.

Die Sonnenblume wusste um ihre Schönheit und war sehr arrogant...
und so wollte sie keine andere Blume in ihrer Nähe dulden, denn sie wollte allein alle Beachtung ihrer Verehrer haben.

Eines Tages flüsterte sie einem Bewunderer zu, sie zu pflücken, sie zu hegen und zu pflegen, damit sie immer in seiner Nähe bleiben und er fortan nur noch sie sehen solle.
So geheißen tat er… und nahm sie mit nach Hause.



Eines Tages gingen die beiden, Sonnenblume mit ihrem Verehrer, spazieren.
So kamen sie in einen wundervollen Park, in dem es viele andere Pflanzen und Blumen gab.
Die Sonnenblume nörgelte aber nur an allen Blumen herum.
Sie konnte es nicht ertragen, dass ihr Verehrer auch die anderen Blumen sehen konnte, denn sie fürchtete,
dass er eine andere Blume denn sie selbst hübsch finden könne.
Aber er versicherte ihr, dass er nur Augen für sie habe.
Doch sie glaubte ihm nicht.
So befahl sie ihm, nicht mehr das Haus zu verlassen, damit er keine anderen Blumen mehr betrachten konnte.

So verging die Zeit.
Obwohl ihr Verehrer sie weiterhin pflegte und goss, veränderte sich die Sonnenblume.
Ihre Blätter wurden schlaff und runzelig, ihr einst kraftvoller Stiel wurde weich und krümmte sich,
und auch ihre Blüte verlor nach und nach an Farbe und Ausdruck.
Das machte die Sonnenblume trübselig.

So verunsichert ging sie eines Tages allein in jenen Park, um sich mit den anderen Blumen zu vergleichen.
Obwohl sie nicht mehr so frisch war, übertraf sie dennoch die meisten Blumen an Schönheit.

Und so sprach sie zu einigen von ihnen:
„Seht her ihr Blumen, schaut mich an… ich bin viel größer als ihr, meine Blüte ist von weitem zu sehen
und meine Farbe leuchtet so intensiv, dass ihr neben mir verblasst“.

Die anderen Blumen schauten sie an, mit einem mitfühlendem Blick und antworteten ihr im Chor:“Ja, Sonnenblume,… du bist gewiss viel größer als wir, und deine Schönheit übertrifft die unsere bei weitem…
daran soll es gar keinen Zweifel geben.
Aber sieh mal, du armes Ding… weist du denn gar nicht, welches Schicksal dich ereilen mag in nicht allzu ferner Zukunft?
Merkst du nicht, wie du dich schon veränderst?
Du bist entwurzelt, raus gerissen aus der Erde, die deine natürliche Heimat war – dort, wo du noch lange hättest deine Schönheit bewahren können.
Dein Tod ist schon bestimmt.
Von Tag zu Tag wirst du immer mehr deiner Schönheit einbüßen, bis du nur noch alt und vertrocknet bist,
und niemand dich mehr beachten wird.
Aber wir werden dann noch immer hier sein… verblühen, um im nächsten Jahr wieder in voller Pracht zu erstrahlen“.

Diese Worte trafen die Sonnenblume in Herz und sie fing leise an zu weinen.
Und mit jeder Träne, jedem Tropfen Flüssigkeit, den sie vergoss, verdorrte sie ein wenig mehr… bis sie schließlich in jenem Park, umgeben von Hunderten Blumen in voller Blüte, verstarb.
Und somit wurde zu ihrem Grab, was sie am meisten vermeiden wollte – ein Fleckchen Erde, bedeckt mit unzähligen, wunderschönen Blumen,
denen allein in Zukunft die bewundernden Blicke der Spaziergänger zuteil werden sollten – denn die Sonnenblume sah niemand mehr.

Und die Moral von der Geschicht?
Verlasse nie den Ort an dem du glücklich bist,

denn nur dort kannst du deine Schönheit

voll entfalten und bewahren.

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