Unfallbericht eines Dachdeckers

Veröffentlicht: 21. September 2009 in Unterhaltung
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Der folgende Brief eines Dachdeckers wurde an eine
Schweizerische Versicherungsanstalt gerichtet und
beschreibt die Folgen einer unüberlegten Handlung:
(Wir hoffen, dem Dachdecker geht es inzwischen wieder gut!)

"In Beantwortung Ihrer Bitte um zusätzliche

Informationen möchte ich Ihnen folgendes mitteilen: Bei


Frage 3 des Unfallberichtes habe ich "ungeplantes


Handeln" als Ursache angegeben. Sie baten mich,


dies genauer zu beschreiben, was ich hiermit tun


möchte.



Ich bin von Beruf Dachdecker. Am Tag des Unfalles


arbeitete ich allein auf dem Dach eines sechsstöckigen


Neubaus. Als ich mit meiner Arbeit fertig war, hatte


ich etwa 250 kg Ziegel übrig. Da ich sie nicht die


Treppe hinuntertragen wollte, entschied ich mich dafür,


sie in einer Tonne an der Außenseite des Gebäudes


hinunterzulassen, die an einem Seil befestigt war, das


über eine Rolle lief.


Ich band also das Seil unten auf der Erde fest, ging


auf das Dach und belud die Tonne. Dann ging ich wieder


nach unten und band das Seil los. Ich hielt es fest, um


die 250 kg Ziegel langsam herunterzulassen.



Wenn Sie in Frage 11 des Unfallbericht – Formulare


nachlesen, werden Sie feststellen, dass mein damaliges


Körpergewicht etwa 75 kg betrug. Da ich sehr überrascht


war, als ich plötzlich den Boden unter den Füßen verlor


undaufwärts gezogen wurde, verlor ich meine


Geistesgegenwart und vergaß, das Seil loszulassen.


Ich glaube, ich muss hier nicht sagen, dass ich mit


immer größerer Geschwindigkeit am Gebäude hinaufgezogen


wurde. Etwa im Bereich des dritten Stockes traf ich die


Tonne, die von oben kam. Dies erklärt den Schädelbruch


und das gebrochene Schlüsselbein.


Nur geringfügig abgebremst, setzte ich meinen Aufstieg


fort und hielt nicht an, bevor die Finger meiner Hand


mit den vorderen Fingergliedern in die Rolle gequetscht


waren. Glücklicherweise behielt ich meine


Geistesgegenwart und hielt mich trotz des Schmerzes mit


aller Kraft am Seil fest.


Jedoch schlug die Tonne etwa zur gleichen Zeit unten


auf dem Boden auf und der Tonnenboden sprang aus der


Tonne heraus. Ohne das Gewicht der Ziegel wog die Tonne


nun etwa 25 kg.


Ich beziehe ich an dieser Stelle wieder auf mein in


Frage 11 angegebenes Körpergewicht von 75 kg. Wie Sie


sich vorstellen können, begann ich nun einen schnellen


Abstieg. In der Höhe des dritten Stockes traf ich


wieder auf die von unten kommende Tonne. Daraus ergaben


sich die beiden gebrochenen Knöchel und die


Abschürfungen an meinen Beinen und meinem Unterleib.


Der Zusammenstoß mit der Tonne verzögerte meinen Fall,


so dass meine Verletzungen beim Aufprall auf dem


Ziegelhaufen gering ausfielen und so brach ich mir nur


drei Wirbel. Ich bedauere es jedoch, Ihnen mitteilen zu


müssen, dass ich, als ich da auf dem Ziegelhaufen lag


und die leere Tonne sechs Stockwerke über mir sah,


nochmals meine Geistesgegenwart verlor.


Ich lies das Seil los, womit die Tonne diesmal


ungebremst herunterkam, mir drei Zähne ausschlug und


das Nasenbein brach. Ich bedauere den Zwischenfall sehr


und hoffe, Ihnen mit meinen präzisen Angaben dienen zu


können.

Für genaue Auskünfte bitte ich Sie, mich

anzurufen, da es mir manchmal schwer fällt, mich


schriftlich auszudrücken."

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